Herrenstiefel – Part I: Chelsea Boots

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Queen Victoria schwor auf sie, The Beatles betraten grundsätzlich keine Bühne ohne sie und die britische Mod-Bewegung war ihnen hoffnungslos verfallen. Die Rede ist von den beliebten Chelsea Boots. Heute zählen sie zum festen Inventar der klassischen Herrenmode und sollen daher auch in unserer herbstlichen Blogreihe Herrenstiefel einmal genauer unter die Lupe genommen werden.

Glorie, Tradition & britisches Understatement

Chelsea Boots sind knöchelhohe Stiefel mit einem niedrigen Absatz und einer abgerundeten Schuhspitze, ursprünglich aus reinem Glattleder gefertigt. Charakteristisch für dieses spezielle Herrenschuhmodell mit einem Touch von juveniler Avantgarde sind vor allem der unverzierte Schaft und die beiden seitlichen Gummibandeinsätze, welche gemeinsam mit der Zugschlaufe ein unkompliziertes An- und Ausziehen ermöglichen. Design und Schaftgrundschnitt der Chelsea Boots reichen indes bis ins viktorianische England der 1830er Jahre zurück.

Der königliche Schuhmacher von Queen Victoria, J. Sparkes Hall, entwickelte die Schuhe mit den charakteristischen Gummizügen um 1837 und ließ sich seine Kreation 1851 patentieren. Schenkt man Sparkes Hall Glauben, wusste selbst die Queen die Vorteile der Chelsea Boots zu schätzen und trug das komfortable Schuhmodell tagtäglich während ihrer ausgedehnten Spaziergänge. Andere Quellen berichten, die Schuhe seien vor allem als Reitstiefel verwendet worden, bevor Künstler und Bohemiens aus dem Londoner Stadtteil Chelsea die komfortablen Laufschuhe für sich entdeckten und den Namen als Ausdruck eines neuen Lebens- und Modestils etablierten.

Vom Chelsea Boot zum Beatle Boot

Trotz seiner königlichen Befürworterin polarisierten Chelsea Boots lange Zeit die Meinungen unter den Schuhliebhabern. Noch 1920 wurden die knöchelhohen Stiefel in einem Magazin als äußerst unschön verschmäht und blieben zunächst der ländlichen Bevölkerung vorbehalten. Speziell der charakteristische Gummibandeinsatz an den Quartieren stieß auf starkes Missfallen bei der vornehmen Gesellschaft, galt das Material doch schlichtweg nicht als „chic“ genug. Gleichwohl ließ sich ihr wiederholter Einsatz im Reitsport nur schwer mit den Vorstellungen von einem eleganten Herrenschuh vereinbaren. Wahrhaft legendär wurden die Chelsea Boots erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts.

Ihre bis heute währende Popularität verdanken die Chelsea Boots niemand Geringeres als den Beatles. Berichten zufolge verfielen John Lennon und Paul McCartney zuerst dem avantgardistischen Charme der Herrenstiefelette, allerdings auf einer schmaleren Leistenform und einem erhöhten Absatz. George Harrison und Ringo Starr folgten dem Beispiel ihrer Bandkollegen und kombinierten das charakteristische Schuhwerk mit eng geschnittenen Anzügen – die Geburtsstunde des populären Beatles Looks. Mit dem Erfolg der Beatles stieg auch das Ansehen der Chelsea Boots und selbst The Rolling Stones zeigten sich gern in den knöchelhohen Bottines. Trotz jener berühmten Bewunderer blieben die Herrenstiefel das Erkennungszeichen der britischen Pilzköpfe und sind seitdem besser unter dem Namen Beatle Boots bekannt. Die britische Jugendbewegung fand vor allem in den 1960ern und 1970ern Gefallen an dem markanten Schuhwerk und übernahm es als festen Bestandteil ihres berühmt-berüchtigten Mod-Stils.

Chelsea Boots stilvoll kombinieren

Heutzutage erfreuen sich Chelsea Boots einer ungebrochenen Popularität und werden tendenziell auf einer schmaleren Leistenform gefertigt. Der angesprochene avantgardistische Flair umgibt noch immer die britische Herrenstiefelette, doch lässt sie sich – Dank ihrer Vielseitigkeit – sowohl zum Anzug kombinieren als auch mit einem sportlich-legeren Outfit. Gerade und schmal geschnittene Hosenbeine sind der perfekte Begleiter für die Chelsea Boots. Während schwarze Chelsea Boots vor allem schwarzen und grauen Anzugstoffen schmeicheln, machen sie ebenso zu Jeans eine gute Figur. In Braun sollten die Herrenstiefel am besten zu Blau-, Grau-, Grün- oder Brauntönen getragen werden.

Schon seit einigen Jahren sind Chelsea Boots nicht mehr nur ausschließlich in der Herrenmode vertreten, denn auch in der weiblichen Garderobe hat das britische Kultobjekt einen festen Platz gefunden. Weniger bekannt ist dagegen, dass Chelsea Boots sogar in dem berühmtesten Science-Fiction Film aller Zeiten eine tragende Rolle spielen und zwar gleich zuhauf. Tatsächlich sind Darth Vaders Stormtroopers in George Lucas originaler Star Wars-Trilogie mit Chelsea Boots ausgestattet – im Sinne der futuristischen Streitmacht wurden die Herrenstiefel allerdings komplett in Weiß eingefärbt. Trotz dieses kurzen filmischen Intermezzos sind und bleiben Chelsea Boots in erster Linie beliebte Herrenschuhe, die im Büro und nach Feierabend einen stilvollen Auftritt garantieren.

 

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