Zeig’ mir Deine Schuhe und ich sag Dir, wer Du bist…

Schuhe dienen der Standeserkennung

„Ein scharfer Beobachter erkennt am Zustand der Schuhe immer, mit wem er es zu tun hat”, notierte einst der französische Dichter Honoré de Balzac, der auf seinen langen Spaziergängen durch die Pariser Innenstadt unbedingt auf hochwertige Fußbesohlung angewiesen war. Tatsächlich verrät die Wahl der Schuhe unserem Gegenüber weit mehr, als uns bisweilen lieb ist. Denn Form, Material und Verzierung der Fußbekleidung geben Aufschluss über den sozialen Status und Charakter des Trägers.

Diente der Schuh in der frühen Menschheitsgeschichte lediglich als nützliches Vehikel, um die Füße vor der wechselnden Witterung, dem Untergrund oder auch Angriffen anderer zu schützen, avancierte er bereits in der Antike zum gesellschaftlichen Statusobjekt.

Die Wiege der Zivilisation gab Anstoß für die Schuhentwicklung

In der Steinzeit bestand die zweckmäßige Fußbekleidung noch aus provisorisch um die Füße geschlungenen Fellen und Tierhäuten, wie Höhlenmalereien in Spanien beweisen. Der wohl bekannteste Steinzeitmensch, „Ötzi“, streifte dagegen schon mit gefütterten Schuhen samt einer Art Schnürsenkel und Schuhsohle durch die Südtiroler Alpen. Gedanken an ästhetische Kriterien wie Form und Verzierung verschwendete der Mann aus dem Eis jedoch kaum, war er doch hauptsächlich auf das eigene Überleben bedacht, was ihm bekanntlich rund 45 Jahre gelang.

Es ist kaum überraschend, dass die ersten Funde über „richtige“ Fußbekleidung aus der Antike stammen, der Wiege der menschlichen Zivilisation. Je nach Region gab es in der alten Welt unterschiedliche Schuhmodelle, die von der ägyptischen Zehenstegsandale bis hin zur römischen Sandale reichten und sich bald zur Hochphase der Schuhentwicklung aufschwang.

Schuhe als Indikator des gesellschaftlichen Ranges

Vom alten Ägypten und Griechenland ist überliefert, dass es nur hohen Beamten und Priestern zustand, Sandalen zu tragen. Diese bestanden aus einer Sohle aus Flechtwerk, Holz oder Leder, die mit mehreren Riemen am Fuß befestigt wurde. Als Zeichen des Reichtums zierten ferner kunstvolle Schnallen die Riemen. Doch nur wenige Bevölkerungsschichten kamen in den Genuss, Sandalen anlegen zu dürfen, galten sie doch als Standeszeichen und gaben als solches Auskunft über den gesellschaftlichen Rang ihrer Träger.

Soldaten trugen Sandalen mit dicht benagelten Sohlen, die sogenannten „Caligae“, deren Riemenzahl den militärischen Rang verriet. Die einfache Landbevölkerung musste sich mit primitiven Schuhen aus rohem Leder und Fell begnügen, wohingegen Sklaven es generell untersagt war, Schuhe zu tragen. Barfuß konnten die Sklaven leichter von der restlichen Bevölkerung unterschieden werden.

Ausgehend von der Antike hat sich – dem Wandel der vielfältigen Stile, Formen, Materialen und Verzierungen zum Trotze – die Bedeutung von Schuhen als gesellschaftliches Statusobjekt bis in die heutige Zeit manifestiert.

Schuhe sind vielseitige Geschichtenerzähler

In Zeiten von Massenproduktion und Discountwaren geben hochwertige Schuhe sowohl Hinweise auf den soziokulturellen Hintergrund als auch auf die Persönlichkeit des Trägers. Laut einer Forsa-Umfrage glauben rund 75 Prozent der Deutschen, dass gepflegte Schuhe viel über den Besitzer aussagen. Immerhin sind hochwertig gefertigte Schuhe lange Wegfährten und werden zu faszinierenden Geschichtenträgern, die einen Einblick in die persönliche Welt der Besitzer gewähren.

Folgt man der Studie, drücken rahmengenähte Herrenschuhe Geschmack und Esprit aus, wohingegen ihre Billigalternative sogar auf negative Charakterzüge des Trägers schließen lassen. Derartige Rückschlüsse auf mögliche Charaktereigenschaften sind weit von einer Allgemeingültigkeit entfernt, zeigen jedoch die zunehmende Bedeutung unserer Fußbekleidung. So mag noch immer ein langer Blick in die Augen aller Humphrey Bogarts einen Zugang in unser Innerstes gewähren, doch sind ihnen gepflegte und hochwertige Schuhe dicht auf den Fersen.

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“Kommentare”

  1. MeisterBrumm sagt:

    Wenn man heute sieht wie die Leute stellenweise gekleidet sind,läuft einem die kalte Schauer den Rücken runter.Oben hui, unten pfui. Selbst bei besonderen Anlässen wird auf ordentliche Schuhe kaum noch Wert gelegt.
    Mann kann wirklich viel von Schuhen ableiten.

  2. Andras Fieker sagt:

    Auch wenn ich mit dem dritten Paar Shoepassion Schuhen zufrieden bin, gehen mir Aussagen wie “Während rahmengenähte Herrenschuhe Geschmack und Esprit ausdrücken, lässt ihre Billigalternative sogar auf negative Charakterzüge des Trägers schließen.” etwas weit!

    Es gibt etliche Gründe billiger Schuhe zu tragen, wie beispielsweise Einkommen, fehlende Informationen oder setzen anderer Prioritäten im Leben.

    Mag sein das etwas Eleganz fehlt aber das mein Charakter bis vor einigen Jahren negative Züge getragen haben soll kommt mir etwas suspekt vor…

  3. [...] war es durchaus möglich, anhand der verwendeten Verzierungen und Stilelemente Aufschluss über den gesellschaftlichen Rang des Trägers zu erhalten, doch unterschieden sich Aristokrat und Bürger nicht im Hinblick auf die Schuhhöhe [...]

  4. [...] im Römischen Reich symbolisierte rote Fußbekleidung den gesellschaftlichen Status und stand allein den höchsten Amtsträgern zu, während sich die unteren Stände mit braunem oder [...]

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