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Wieviel Handarbeit steckt in »Handmade«?

Wieviel Handarbeit steckt in »Handmade«?

In den Produktbeschreibungen von hochwertigen Herrenschuhen tauchen viele Begriffe auf, die den Kunden von der absoluten Qualität des Produkts überzeugen wollen. Da steht dann etwa »handrahmengenäht«, »handmade«, »handgearbeitet« oder auch »handgenäht«. In unserer Vorstellung sehen wir dann einen älteren Herrn mit Mütze, wie er auf seinem Höckerchen sitzt und ein Paar Schuhe ganz allein von Hand aufbaut. Doch ist das wirklich so? Wir bemühen uns um Klärung.
Zunächst einmal sind all die eben erwähnten Begriffe keineswegs geschützt oder zumindest einheitlich definiert. Jeder Hersteller kann sie, sofern ihn nicht das schlechte Gewissen plagt, in den Werbetext zu seinen Schuhen aufnehmen oder bringt sie gleich gut sichtbar auf die Sohle an.

Bezeichnung »Handmade« oft irreführend


Übrigens: Einen komplett von Hand gefertigten Schuh gibt es sicherlich seit mehr als 150 Jahren nicht mehr, sieht man hier einmal von exklusiven und extrem teuren Luxus-Maßschuhmachern ab. Warum sollte auch auf Maschinen verzichtet werden? Die Arbeit mit der Goodyear-Maschine beim rahmengenähten Schuh bringt ganz hervorragende Ergebnisse. Ebenso werden die Lederstücke des Schaftes mit Nähmaschinen miteinander vernäht. Aus wirtschaftlicher Sicht macht ein Verzicht auf mechanische Hilfsmittel jedenfalls keinen Sinn. Die Schuhe würden für die Masse unbezahlbar werden. So erfolgen dementsprechend bei der Fertigung von hochwertigen Herrenschuhen viele Arbeitsschritte manuell. Von daher ist die Bezeichnung »handmade«, bei der angenommen werden muss, dass jeder Schritt beim Aufbau des Schuhs von Hand erfolgte, absolut irreführend.
Wenn nun bei einem Loafer oder Mokassin die Rede von »handgearbeitet« oder »handgenäht« ist, dann kann der Käufer davon ausgehen, dass hiermit lediglich die Blatteinsatznaht oberhalb der Zehen und auf dem Fußrücken gemeint ist.

Dennoch: Viele Arbeitsschritte werden tatsächlich von Hand ausgeführt


Wird also mit diesen Begriffen Schindluder betrieben? Jein! Schuhmanufakturen, die geschultes Fachpersonal beschäftigen, die wiederum mit erstklassigen Materialien hochwertige Schuhträume in der klassischen Nestfertigung aufbauen, nutzen die hier besprochenen Begriffe ganz einfach dazu, um sich von der billigen Kommerzware der Schuhdiscounter zu distanzieren. Sicherlich bestehen im Einzelnen gewaltige Unterschiede bei der Auslegung der Begriffe hinsichtlich der jeweiligen Arbeitsintensität und dem tatsächlichen Einfluss von Menschenhand. Doch fest steht auch, dass eine Vielzahl von Arbeitsschritten hier immer noch tatsächlich von Hand ausgeführt wird. Das Ausschneiden des Leders, das Zwicken und Klopfen, das Auftragen der Appretur und vieles mehr geschieht hier in langwierigen Arbeitsprozessen von fachkundigen und echten Händen.
Letztlich kann festgehalten werden, dass die Verwendung von Begriffen, die Handarbeit suggerieren, kritisch hinterfragt werden muss. Sie sind dementsprechend nicht immer ein Garant für höhere Qualität, wenn der Hersteller hier schlichtweg gelogen haben sollte. Wenn der Verkaufspreis dann auch noch allzu niedrig liegt, sollten beim Kunden alle Alarmglocken schrillen. Darüber hinaus grenzen sich Schuhe, die mit dem Siegel »handgearbeitet« ausgestattet sind, von der preiswerten und qualitativ minderwertigen Schuhmasse ab, auch wenn hier eben nicht jeder Arbeitsschritt von Menschenhand ausgeführt wurde. Ein Tipp zum Schluss: Achten Sie auf die verarbeiteten Materialien. Sind diese erstklassig, dann können Sie auch von einer anständigen Verarbeitung des Schuhs ausgehen, denn niemand kauft teure Waren ein um sie dann durch schludrige Arbeit verkommen zu lassen.

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