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Chappal: Top-Designer kopiert asiatischen Traditionsschuh


Chappal: Top-Designer kopiert asiatischen Traditionsschuh


Viel Spott und Hohn musste der britische Modemacher Paul Smith in den letzten Tagen über sich ergehen lassen. Auslöser war seine erst kürzlich präsentierte Luxussandale. Jene empörte nicht nur Tausende von Pakistani, sondern löste auch weltweit eine wahre Protestwelle aus. In Südasien kennt man die Sandale nämlich besser unter dem Namen »Chappals« und zwar bereits seit mehreren Jahrhunderten.


Die Wiege der Chappals


Jeder Pakistani besitzt im Laufe seines Lebens wenigstens ein Paar von ihnen. Ganz gleich, ob bei Kindern, Jugendlichen oder gestandenen Männern – in Afghanistan und Pakistan findet sich die Sandale am Fuße von (fast) Jedermann, sind sie doch überall als Lieblingsschuh der Paschtunen bekannt. Die Rede ist von den sogenannten »Chappals«, eigentlich »Peshawari chappal«. Diese Art von Flipflop gilt als wahrer Allrounder unter den südasiatischen Schuhen und wird von männlichen Pakistani sowohl bei förmlichen Anlässen als auch im Alltag getragen. Kurzum: In Südasien sind Chappals ein ebenso fester Bestandteil der nationalen Identität wie die Birkenstock Sandale in europäischen Kreisen. Benannt wurden die schlichten Sandalen im Übrigen nach der Hauptstadt Peshawar – der größten Stadt in der pakistanischen Provinz Khyber Pakhtunkhwada.
Seit Generationen fertigen die Schuhmacher Pakistans die luftig-leichte Sandale zu Hauf an. Mögen sich Design und Material im Laufe der Jahrhunderte leicht verändert haben, so blieb der Schaftgrundschnitt beinahe unverändert. Eine leichte Sohle wird durch mehrere Lederriemen am Fuß gehalten. Häufig werden diese zusätzlich durch eine Schnalle am Fuß fixiert. Es gibt die Chappals in der überaus preiswerten Plastik-Version oder für unwesentlich mehr Rupien in besserer Qualität aus Leder. Auch die Taliban schätzen ihren Komfort, am liebsten mit einer Sohle aus Pneus. Für umgerechnet zwei Euro sind Chappals an beinahe jeder Straßenecke in Pakistan erhältlich. Selbst die »exklusiveren« Modelle aus Leder überschreiten in der Regel keinen Wert von umgerechnet 20 Euro.


Vom Alltagsschuh zum Luxusschuh


Die Verwunderung der Pakistani und Afghanen war verständlicherweise groß, als sie ihre gewöhnliche Universalsandale als britischen Luxusschuh ausgewiesen sahen. Und das ohne einen Hinweis auf ihren südasiatischen Ursprung. Tatsächlich präsentierte der Designer Paul Smith kürzlich eine schwarze Ledersandale in seiner neuen Frühlingskollektion, welche verblüffend dem traditionellen Schuhwerk der Paschtunen ähnelte. Gefertigt aus hochglänzendem Lackleder, taufte Smith seine Luxusversion »Robert« und versah sie mit einem dünnen, rosafarbenen Streifen am oberen Sohlenrand. Ein Design, das unter Pakistani amüsiert als längst veraltet kritisiert wurde. Das Fass zum Überlaufen brachte es letztlich der Preis, denn Smith bietet seine Interpretation der Chappal für rund 400 Euro an.
Was folgte war eine Welle von verärgerten Meldungen zuerst auf Twitter, welche sogar eine Patent-Anmeldung der Chappal ins Gespräch brachte. Die pakistanischen Medien reihten sich rasch in den Protest ein und forderten, dass Smith zumindest den Ursprung seiner Kreation ausweisen sollte. Sogar eine Petition wurde ins Leben gerufen, damit die britische Version zu »Peshwari chappals« umbenannt werde.
Das Kuriose: Es ist allseits bekannt, dass Paul Smith bei dem Thema Plagiat wenig Toleranz kennt. Immerhin bittet er auf seiner Homepage um Meldung, wenn jemand Fälschungen mit seinem Logo entdeckt. Mittlerweile ist der Name »Robert Sandals« der simplen Beschreibung »Black High-Shine Leather Sandals« gewichen, gemeinsam mit dem Zusatz »inspired by the Peshawari Chappal«. Beim Preis blieb Smith dagegen unnachgiebig.

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