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O’zapft is! – Ein kleiner Wiesn-Guide

O’zapft is! – Ein kleiner Wiesn-Guide

Am Sonntag ist es wieder so weit, wenn es beim offiziellen Wiesnanstich heißt: „O’zapft is!“ Am Morgen des ersten Wiesn-Sonntags findet aber noch ein anderes Spektakel statt – der Große Trachten- und Schützenumzug. Knapp 9000 ‚Trachtler’, Schützen und Musikanten ziehen dann durch die Münchner Innenstadt hin zur Theresienwiese, wo das größte Volksfest der Welt stattfindet. Drei Wochen lang bevölkern Festzelte, Fahrgeschäfte, Fressbuden und unzählige Besucher Münchens Zentrum.

Von der Prinzen-Hochzeit zum größten Volksfest der Welt

Begonnen hat alles mit einer Hochzeit und einem Pferderennen. Im Jahre 1810 fand anlässlich der Vermählung von Kronprinz Ludwig von Bayern und der Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen die erste Wiesn statt. Damals war es jedoch noch ein Pferderennen und man kam nicht etwa in Tracht, sondern im feinen Zwirn, der damals noch von der französischen Mode inspiriert war. Da das Fest so großen Zuspruchs aus der Bevölkerung erfuhr, wurde es im darauf folgenden Jahr wiederholt und zu einem Landwirtschaftsfest ausgeweitet. Das Oktoberfest wurde offiziell Teil der Münchner Tradition.   

Das Dirndl – Das Markenzeichen der Wiesn

Die Landbevölkerung erschien damals in ihrer Festtracht zum Fest, die jedoch wenig mit dem heute beliebten Dirndl gemein hat, welches als Alltagskleidung galt. Überhaupt ist das Tragen von Tracht auf der Wiesn eine relativ moderne Entwicklung. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entdeckte die feine Stadtbevölkerung das Arbeitskleid der Bäuerinnen für sich. Auf Sommerausflügen in die Alpen, die damals populär wurden, sah man die praktische und zugleich Figur-schmeichelnde Tracht und ließ sie sich beim heimischen Schneider mit Karo- und Blumenmustern aufhübschen.

Erst Mitte der 1960er Jahre kam es zur Verbindung von Wiesn und Dirndl. Tatsächlich war es eine Kampagne des Münchner Stadtmarketings, die die Tracht als Symbol für Heimat in Verbindung zum Volksfest setzte. Als dann 1972 die Olympischen Spiele in München stattfanden, trugen die Hostessen ebenfalls Dirndl. Unter ihnen eine junge Dame, namens Silvia Sommerlath, welche dort ihren zukünftigen Mann kennenlernte – den heutigen König Carl XVI. Gustav von Schweden. Damit hatte der Siegeszug des Dirndls begonnen.    

Von der Arbeitstracht zum Festoutfit

Heutzutage trägt fast jede Wiesnbesucherin ein Dirndl, egal, ob sie aus München oder Sydney kommt. Jedoch ist Dirndl nicht gleich Dirndl. Wie so häufig sollte man die Preisfrage nicht über die Qualitätsfrage stellen. Ein billiges Dirndl sieht immer auch so aus. Allerdings ist auch teuer nicht gleich gut. Sehr kostspielige Modelle sind häufig auch sehr aufwendig verziert, was wiederum wenig stilvoll ist. Zu viel Glitzer, zu viel Spitze und vor allem zu kurz kann genauso billig wirken wie Polyester. (Ganz Traditionsbewusste lassen den Rocksaum nur einen Maßkrug breit über dem Boden enden.) Obacht ist auch bei der Schleife geboten: Ist die Schleife links gebunden, ist die Dame ledig, ist sie rechts gebunden, verheiratet. Aber: Ganz traditionell wird die Schleife so lange links gebunden, bis „a Ringl am Finger ist“. Somit können auch liierte Frauen ihre Schleife links gebunden tragen, ohne gleich auf einen Flirt aus zu sein. Vorne in der Mitte bedeutet im Übrigen, dass die Trägerin noch Jungfrau ist und hinten in der Mitte tragen Witwen und die Kellnerinnen ihre Schleife.

Stramme Wadln in der Lederhose

Für den Erhalt der Lederhose gründete sich bereits 1883 der erste Trachtenverein. Heutzutage könnte man es eine gelungene Guerilla-Marketing-Aktion nennen, was die Gründungsmitglieder damals taten: Sie gingen in Lederhosen, und somit mit entblößten Waden, sonntags in die Kirche. Welch Skandal! Der Klerus sprach sich strikt gegen diese vermeintliche Obszönität aus. Doch es gab einen Befürworter: König Ludwig II. lobte das traditionelle Beinkleid und stieß damit einen ‚Trend’ an. Der bayrische Hochadel begeisterte sich für die Lederhosen und was der Adel trägt, will sie Bevölkerung bald schon auch tragen.

O’zapft is! – Ein kleiner Wiesn-Guide

Früher noch lang und unverziert, wurde die Lederhose – ähnlich dem Dirndl – über die Zeit kürzer und verspielter, mit Stickereien an Hosenträgern und Sattel. Traditionell werden Lederhosen aus Hirsch- oder Gamsleder gefertigt, was auch sie zu einer recht kostspieligen Angelegenheit macht. Allerdings hat man(n) an einer guten Lederhose auch idealerweise ein Leben lang Freude. Einmal eingetragen, wird sie über die Jahre immer weicher und verschüttest Bier tut ihr auch keinen Abbruch. Das Leder soll getragen aussehen und wird erst durch etwaige ‚Gebrauchsspuren’ zum individuellen Begleiter.  

Die richtigen Accessoires zur Tracht

Bei der klassischen Tracht sind es tatsächlich gerade die Herren, die diese durch Accessoires noch aufwerten können. Bleibt den Damen nur die Auswahl des Schmucks, des Jäckchens und die Wahl des richtigen Schuhwerks – High-Heels sind hier definitiv fehl am Platz, außer man gehört zu den erlesenen Gästen der Käfer-Schenke – haben die Herren diesbezüglich noch einige Faktoren mehr zu beachten: Zunächst die Frage nach den Hosenträgern. Mit oder ohne? Das Hemd: Modisch kariert oder schlicht weiß, eventuell sogar mit Hornknöpfen? Darüber ein Janker? An der Trachtenhose ein Charivari? Trägt man(n) einen Wadenwärmer? Und nicht zu vergessen: Welche Schuhe? Jüngere Generationen greifen mittlerweile selbst beim Trachtengewand zu Sneakern. Diese sind bequem und können nach einem allzu feuchtfröhlichen Wiesnausflug einfach in die Waschmaschine getan werden. Doch wirklich stilecht ist das nicht. Für die Herren gibt es zur Lederhose eigentlich nur ein ‚richtiges’ Schuhwerk: Haferl. Ursprünglich als bequemer Begleiter für Jäger und Bergbauern entwickelt, prädestiniert sein bequemer Schnitt mit dem seitlichen Ausschnitt, die so genannte Schiffchenspitze und natürlich das robuste Leder ihn auch zum Schuh der Wahl für ausgiebige Wiesntage. Und wie bei der Lederhose gilt auch beim Haferl: Man darf ihm seine Geschichte ruhig ansehen.    

Zu guter Letzt noch zwei Empfehlungen:

Der Preis für die Maß liegt dieses Jahr zwischen 10,60 Euro und 10,70 Euro. Wer jedoch einfach aufrundet und der Bedienung so nur ein spärliches Trinkgeld gibt, wird lange auf seine nächste Maß warten müssen.  

Auch wenn man extra dafür Eintritt zahlen muss: Ein Ausflug auf die Oide Wiesn lohnt sich in jedem Fall. Dort trifft man echte Bayern, kann wirklicher Volksmusik, statt dröhnender Ballermann-Klänge, lauschen und traditionelle Volkstänze sehen.    

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